Hendl im Glück - glückliche Hendl - was heißt das?

  • Hühnerhaltung ist ein heißes Pflaster in der Landwirtschaft, die Extreme sind groß und die Täuschung gelingt oft. Von außen sieht man den Eiern nicht an wie es dem Huhn, aus dem es kommt, ergeht. In den meisten Fällen leider nicht sehr gut, aber warum? Laut Gesetz sind die üblen Käfigställe längst abgeschafft oder?Wir haben ein Hühnerprojekt am Hof gestartet und suchen Menschen, die gerne mitmachen wollen.

Es gibt noch mehr Aspekte als diesen einen und das macht die Sache gleich noch mal um viele Ecken komplizierter: es fängt bei der Hühnerzüchtung an, geht natürlich mit der Aufzucht und der Haltung weiter. Was bekommen die Hühner zu fressen, können sie sich artgerecht verhalten, müssen sie zu Tausenden in einem Stall wohnen - auch wenn er allen Biovorschriften entspricht?

Wie wollen sich Hühner gerne verhalten können, wenn man sie lässt?

Hühner leben gerne in kleinen Gruppen, sie machen sich eine fixe Rangordnung aus und leben nach dem Tageslicht. Eine Gruppe lebt meist mit einem Hahn zusammen, am Tag sind sie gerne im Freiland unterwegs, wenn es genug Büsche oder Unterschlüpfe gibt, wo sie sich vor Greifvögeln verstecken können. Hühner betreten eine normale Wiese nur sehr ungern. Sie graben gerne in der Erde, um nach leckeren Insekten und Würmern zu suchen oder Staubbäder zu nehmen. Sie fressen auch gerne Gräser, Kräuter und andere Pflanzen.

Durchleuchten wir nun mal, welche Haltungsformen in Österreich erlaubt sind und was dann jeweils auf dem Eierpackerl steht:

Am Packerl steht - "Eier aus Bodenhaltung" oder Nummer "2" am Ei:

Das ist auch ziemlich genau das, was draufsteht - die Hühner haben Boden unter den Füßen anstatt Käfiggitter. Was es aber nicht heißt: sie haben kein Tageslicht, sie dürfen nie hinaus, sie wohnen trotzdem meist auf mehreren Etagen aus Nierostblechregalen, weil sie leicht zu desinfizieren sind. Im Stall sind bis zu 6000 Hühner erlaubt, 9 pro m2 (18 wenn es Etagen gibt), es sind keine Hähne dabei. Die Hühner leiden sehr oft unter schweren Verhaltensstörungen, sie können in der Menge kein soziales Gefüge bilden. Viele Tiere verenden frühzeitig durch Stress. Es werden ausschließlich Hochleistungsrassen verwendet - alles andere wäre unrentabel. Das Futter kommt als Fertiggemisch, oft mit viel Soja zum Beispiel aus Brasilien, und manchmal sogar mit Gentechnik hergestellt. Dem Futter werden Farbstoffe und andere Zusätze und auch prophylaktisch Medikamente und Antibiotika beigemengt. Das Immunsystem der Hühner kann auch leichte Infekte oft nicht mehr selber abwehren.

Am Packerl steht - "Eier aus Freilandhaltung" oder Nummer "1" am Ei:

Hühner aus Freilandhaltung haben die gleichen Haltungsbedingungen wie in der Bodenhaltung beschrieben nur dass sie nun auch die Möglichkeit bekommen nach draußen zu gehen. Das "Draußen" kann man sich dann so vorstellen: ein Feld mit niedrigem Gras und kaum anderen Pflanzen, oft weitläufig offen ohne Möglichkeiten für Unterschlupf. Die Hühner könnten also zwar hinausgehen, wenn man ihnen zusieht, gehen sie aber maximal ein paar Meter vom Stall weg und kehren dann um, weil sie sich nicht sicher fühlen.

Am Packerl steht - "Eier aus biologischer Haltung" oder Nummer "0" am Ei:

In der Biohaltung dürfen max. 6 Hennen pro m2 Stallfläche gehalten werden (das ist immer noch recht dicht wenn man sich das vorstellt) und sie haben einen Auslauf wie in der Freilandhaltung. Es gibt ein Paar für das Verhalten der Tiere wichtige Installationen - ein Scharraum, Legenester und Sitzstangen. Trotzdem können bis zu 3000 Tiere in einem Stall gehalten werden. Immerhin werden keine Medikamente ins Futter gemischt.

Am Packerl steht nichts Eindeutiges aber die Eier haben als Nummer die "3":

Die Hühner werden in diesem Fall im Käfig gehalten, manchmal wird es auch beschönigend "Gruppenhaltung" genannt oder noch klangvoller - "Kleingruppenhaltung". Eigentlich ist Käfighaltung verboten worden aber es gibt Schlupflöcher. Natürlich kann eine Käfighaltung nie artgerecht sein.

Außerdem gibt es natürlich bei allen Formen (auch bio) noch folgende Aspekte zu bedenken:

- es werden ausschließlich Hochleistungs-Hybridrassen verwendet - z.B. Lohmann-Braun, die sind von einer Firma in Frankreich "patentiert" und haben eine verkürzte Lebenspanne von etwa 3-5 Jahren statt normalerweise 10 Jahren. Vielfach werden diese Hühner schon als Legemaschienen bezeichnet und als Hybriden kann man sie nicht nachzüchten, man muss sie immer wieder vom Konzern nachkaufen;

- die Hühner werden, wenn die Legeleistung nach ca. einem Jahr nachlässt, gekeult;

- die männlichen Küken werden umgebracht, weil sie nicht rentabel wären, wenn man sie aufzöge.

 

Unsere Haltung:

Wie ihr dem Text bis hier her wahrscheinlich schon entnommen habt, reicht uns die Bio-Haltung nach Vorschriften bei den Hendln bei Weitem nicht aus - deshalb:

Wollen wir unseren Hühnern mit einem neuen großen Stall viel Platz und Komfort anbieten, haben wir ihnen einen großen Teil unseres Obstgartens mit vielen Büschen und Stauden darin eingezäunt als Weide, wo sie jeden Tag sein können. Wir haben "nur" 37 Hennen und einen Hahn damit die Hendln sich untereinander kennen und ein gutes soziales Gefüge entwickeln können. Wir füttern ihnen Reste aus der hofeigenen Getreideverarbeitung, damit sie keine Nahrungskonkurenz zu Menschen sind und ohne leistungssteigernde Zusätze. Die Rassen sind gemischt - eine lokal gezüchtete traditionelle Hühnerrasse namens "Altsteirer", eine Grünleger-Variante, ein paar ehemalige Hochleistungshennen, <Schokobraun?>. Wir züchten die Hühner selber nach, junge Hähne werden mit aufgezogen. Es gibt keine künstliche Beleuchtung im Stall um die Legeleistung zu erhöhen.

Der neue Stall hat uns natürlich Kosten verursacht, deshalb suchen wir Leute die gerne Eier haben wollen und dafür im voraus einen fixen Betrag zahlen, um das Projekt zu unterstützen. Sie bekommen dann in einem fixen Intervall (z.B. wöchentlich oder zweiwöchig) Eier von unseren Hühnern. Bei Interesse schreibt uns ein E-Mail.

Interessante Links zum Thema:

[1] http://www.greenpeace.org/austria/de/themen/konsum/Hintergrund-Info/essen/konsum/fleisch-eier/eier/eier-haltungsformen/

[2] https://derstandard.at/2000074271029/Wenn-das-Huhn-zur-Maschine-wird

 

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